Klassenmusiziermodelle

Die ersten klasse.im.puls-Klassen waren vorwiegend Band- und Chorklassen. Mittlerweile sind mehrere Musikklassenmodelle in unserem Projekt vertreten, wie z.B. Bläser-, Percussion- oder Streicherklassen. Jedes Modell hat seine Besonderheiten, ermöglicht meist unterschiedliche Herangehensweisen an die Musik und erfordert von der Musikklassenleitung verschiedene Kompetenzen. Gemeinsam haben die Modelle, dass sie alle die Schülerinen und Schüler für gemeinsames Musizieren begeistern und sie für ihren weiteren Lebensweg stärken.

Die Bandklasse
In dieser neuen Form des Klassenmusizierens spielt jeder Schüler ein Bandinstrument. In besonderer Weise findet hier der Musikgeschmack vieler Schüler Berücksichtigung, die mit ihren Klassenkameraden Songs spielen können, die z. T. direkt den aktuellen Charts entstammen. Die Umsetzung erfordert hier einen besonderen Organisationsmodus. Ähnlich wie in der Bläser-oder Streicherklasse werden die Teilnehmer zunächst regelmäßig in Kleingruppen auf ihrem Instrument angeleitet. Sofern genug Instrumente vorhanden sind, können in einer ersten Übungsphase alle Mitglieder der Klasse auch gemeinsam auf ihren Instrumenten einen Song spielen. Um das Gelernte dann in einer richtigen Band-Formation anzuwenden, wird die Klasse in mehrere Combos eingeteilt, deren Besetzung meist aus zwei Gitarren, zwei Keyboards, Bass, Schlagzeug und Percussion besteht.
Für die wöchentlichen Bandpraxis-Einheiten im Musikunterricht ist es von Vorteil, wenn zwei Räume mit einer festen Ausstattung an Instrumenten und weiterem Bandequipment zur Verfügung stehen. Während jeweils eine Band spielt, singen die Mitglieder einer weiteren Band dazu. Auf diese Weise machen also bis zu vier Combos gleichzeitig Musik, wobei sich die singenden und spielenden Bands nach einer Weile abwechseln können.
Ein wichtiger Bestandteil der Bandpraxis ist von Anfang an auch der sachgerechte Umgang mit der Technik, der gesondert eingeübt wird, sowie eine Probendisziplin, deren Einhaltung eine wichtige Voraussetzung für das gemeinsame Vorankommen ist.
Wer im Laufe der beiden Jahre in der Bandklasse so richtig Lust aufs Musikmachen bekommen hat, kann in der Klasse mit anderen zusammen eine Schülerband gründen oder seine Fähigkeiten auf dem Instrument durch Unterricht z. B. an der Musikschule noch verbessern.


Die Bläserklasse
Dieses Modell zählt zu den traditionellen Formen der Musikklasse, und es lädt in besonderer Weise dazu ein, im Klassenverband motivierend zu musizieren. Verschiedene Lehrwerke bieten dem Musiklehrer eine Auswahl an methodischen Möglichkeiten. Im Hinblick auf die Anschaffung der Instrumente ist die Bläserklasse allerdings relativ kostenintensiv. Hier gibt es verschiedene Finanzierungsmodelle - entweder die Schule stellt die Instrumente gegen eine Musikklassengebühr zur Verfügung, oder sie werden von den Schülern personenbezogen gemietet bzw. geleast.
Veit-Stoß-Realschule Nürnberg - Fotodesign BrauneDie musikalische Leitung einer Bläserklasse stellt hohe Ansprüche an den Musiklehrer. Sie erfordert z. B. die Kenntnis der verschiedenen Spieltechniken, sofern die entsprechenden Instrumente nicht von unterstützenden Kollegen unterrichtet werden können.
Nachdem die Schüler in den Registerproben ihre Stimmen einstudiert haben, leistet jeder seinen Beitrag zu den Arrangements von Klassik über Jazz bis Pop und Rock, die mit den Blasinstrumenten in einem besonders kräftigen Sound erklingen. Das sorgt auch bei Konzertauftritten für eine starke Wirkung.
Darüber hinaus lernen die Schüler – quasi mit dem Instrument in der Hand – die Grundlagen zu den verschiedene Musikrichtungen und Komponisten. Dass man mit Bereichen wie Takt, Rhythmus oder Notenlesen ganz nebenbei, sozusagen spielerisch, vertraut gemacht wird, versteht sich von selbst.
Nach zwei Jahren in der Bläserklasse ist die eigene Musikerlaufbahn an der Schule noch nicht vorbei. Die Grundausbildung ermöglicht es, ab der siebten Klasse in einem sinfonischen Blasorchester oder einer Bigband der Schule mitzuspielen und bei Auftritten innerhalb und außerhalb der Schule dabei zu sein.


Die Chorklasse
Das Singen war auch durch die negative geschichtliche Besetzung jahrzehntelang aus den Kinderzimmern und leider auch aus den schulischen Musikzimmern weitgehend verschwunden. Warnte vor einigen Jahren die Fachpresse vor einer verstummenden Nation, so zeichnet sich erfreulicherweise eine Kehrtwende ab. Heute spürt man vielerorts die frische Brise, die dem Singen eine regelrechte Renaissance beschert. Vielleicht darf man sogar diversen, zu recht umstrittenen Castingshows an dieser Stelle ein wenig dankbar sein, öffneten sie doch auf einer breiten Ebene gerade auch eher bildungsfernen Schichten die Tür zu einer bewussteren Wahrnehmung der Singstimme.
In der schulischen Realität ist das Vorsingen einzelner Schüler, so man es nur Casting nennt, recht beliebt. Wenn man rechtzeitig damit beginnt, sind die Kinder gerne bereit vorzusingen und eine sachgerechte Kritik anzunehmen. Rechtzeitig bedeutet in diesem Zusammenhang vor der Mutation (Stimmbruch), die beiden Geschlechtern in unterschiedlicher Intensität bevorsteht. Wichtig ist, die Kinder vor der Pubertät „abzuholen“ und zu schulen, damit sie in dieser Zeit der stimmlichen und körperlichen Veränderung  begleitet und angeleitet werden können. Schließlich ist gerade das Singen ein Zusammenwirken verschiedener Systeme, die in Wechselwirkung zueinander stehen. Auf diesem Hintergrund sind die Schwerpunkte der projektbegleitenden Fortbildung auf die Eigenheiten der Kinderstimme und deren Stimmbildung, die Mutation, das Phänomen „Brummer“ sowie die Chorpädagogik ausgerichtet.  So können die Chor(klassen)leiter um die Zusammenhänge von Stimme und Stimmklang wissend, zielgerichtet und kompetent agieren.
Chorklassen bieten ohne einen großen finanziellen oder organisatorischen Aufwand eine gute Möglichkeit des gemeinsamen musikalischen Arbeitens mit Kindern im Klassenverband. Zunächst gilt es, die Kinderstimme zu erschließen, sie von den Hörgewohnheiten geprägten oftmals ungesunden „Techniken“ oder Klangfarben zu befreien und sie zu einem natürlichen und altersgemäßen Stimmgebrauch zu führen. Wesentliche Teile der Arbeit mit der Chorklasse sind grundlegende Beiträge zu einer Gesundheitserziehung, basieren sie auf einer frei von Verspannung natürlichen Köperspannung, die von einer guten Haltung ausgeht und eine tiefe Atmung ermöglicht. Parallel dazu widmet man sich der Hörerziehung, die für eine gute Intonation unabdingbar ist. Schließlich ist und bleibt es des Sängers einzige Mittel, die korrekte Tonhöhe zu erzeugen und sie zu kontrollieren. Mit unterschiedlichen Ansätzen und Methoden werden  die Lehrplaninhalte – immer ausgehend von der Stimme als zentrales Element –  erarbeitet.


Die Keyboard-/Klavierklasse
Das wohl älteste Modell und mancherorts etwas aus der Mode gekommen oder unterschätzt sind so genannte Keyboardklassen. Ähnlich wie bei den Bläserklassen ist die Initiative von der Musikinstrumentenindustrie ausgegangen, die dafür ein Modell für den Klassenunterricht entwickelt und auch teilweise etabliert hat.
Gerade bei diesem Modell ist es wichtig, sich als Lehrender bewusst zu machen, welches Ziel man damit verfolgen möchte: Soll es das gemeinsame Musizieren und handlungsorientierte Umsetzen von Lehrplaninhalten sein, so ist man mit dem gemeinhin bekannten Modell  auf einem guten Weg. Hier spielen die Schüler weitgehend mit einer Hand einfache Stimmen, die im Zusammenspiel einer Gruppe einen klanglich recht ansprechenden Satz ergeben. Mit einer guten räumlich-zeitlichen Organisation lassen sich hier gute Ergebnisse erzielen.
Will man das Instrument in den Vordergrund stellen und den Schülern eine echte Chance geben, ein Tasteninstrument im Ansatz zu erlernen, so sollte man die Arbeitsweise eher an einem Klavier-Gruppenunterricht orientieren. In diesem Fall spielen bewusst jeweils zwei Schüler an einem Keyboard und erarbeiten in Partnerarbeit, die linke und die rechte Hand und schließlich drei- bzw. vierhändig das gemeinsame Stück. Fasst man nun drei bis vier solcher Keyboard-Tandems zu einer Gruppe zusammen, so lassen sich die unterschiedlichen Sozialformen und deren gruppendynamische Prozesse positiv nutzen.
Grundlegende Kenntnisse im Spiel eines Tasten-instruments sind für sehr viele Inhalte der allgemeinen Musiklehre von großem Nutzen, wenn man alleine die Tastatur als Hilfsmittel nutzt. Mit diesem Instrument sind diese theoretischen Inhalte tatsächlich be-greif-bar. Die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten des Keyboards/ Klaviers als Rhythmus-, Begleit-, Harmonie- oder Melodieinstrument, das mit Violin- und Bassschlüssel arbeitet, stellen entsprechende Schwer-punkte in der Praxis dar. Im Sinne einer musisch-ästhetischen Erziehung kann man dabei wunderbar beobachten, wie interessierte Kinder schnell die klanglichen Grenzen eines einfachen Keyboards erkennen und welche Motivation der Übergang zu einem E-Piano, später zu einem Klavier oder gar einem Flügel für sie darstellt.


Die Percussionklasse
Der Rhythmus ist die Basis allen Musizierens. Hauptschule St. Leonhard Nürnberg - Fotodesign BrauneAusgehend von dieser Tatsache beschäftigen sich die Percussionklassen mit der Rhythmik auf vielen verschiedenen Ebenen und in vielen verschiedenen Bereichen, aber auch Instrumenten. Dieses Modell ist für alle Schularten und Klassen geeignet, weil die gemeinsame Arbeit an jeden Musikgeschmack und jede Leistungsstufe entsprechend angepasst werden kann.
Zunächst gilt es, ganz dem klasse.im.puls Gedanken folgend, den gemeinsamen Puls zu finden. Der eigene Herzschlag als Metrum oder Beat für das musikalische Zusammenwirken in der Klasse. Sich auf einen Grundschlag zu einigen und nicht – wie nahezu immer in der Praxis automatisch - gemeinsam zu beschleunigen, sondern das gemeinsame erreichte Tempo zu halten, ist das erste große Ziel. Dem schließen sich unterschiedliche Betonungen, auch innerhalb der Taktarten, sowie das Begreifen, Erspüren und Erkennen verschiedener Notenwerte und deren Bezüge.
Diese Arbeit kann und sollte auf unterschiedlichen Instrumentarien erfolgen. Angefangen vom eigenen Körper der wunderbar als Percussioninstrument in Form von Body-, Mouth- oder Vocalpercussion eingesetzt werden kann, über Alltagsgegenstände im Klassenzimmer (Bänke, Stühle) oder à la STOMP! mit Besen, Bällen, Spielkarten, bis hin zu Boomwhackers oder vielleicht sogar  selbst gebauten und individuell gestalteten Cajons. Der Bogen umschließt ein weites Feld, wenn man afrikanische, südamerikanische (Latinpercussion) oder asiatische Instrumentarien einbezieht. Auf diese Weise lassen sich auf der Grundlage der rhythmischen Betrachtung alle Musikstile erschließen, sei es Klassik, Rock/Pop, Jazz, Samba oder gar Gamelan, vieles im Sinne von Weltmusik.
In diesem Musikklassenmodell spielt die Motorik und deren Schulung eine wesentliche Rolle, hier können auch noch leichte Defizite in der Fein- und Grobmotorik ausgeglichen werden. Besonders hervorzuheben ist aber die Koordination, die spätestens am Drumset ein einerseits unabhängiges Steuern von Händen und Füßen erfordert, das im Zusammenwirken ein Ganzes ergibt. Dieser wesentliche Teilbereich stellt einen wichtigen Faktor in der Entwicklung des Zusammenwirkens und Verbindens der beiden Hemisphären dar. Eine Percussionklasse ist viel mehr als ein gemeinsamer Rhythmusunterricht, sie ist - spätestens im schulischen Gesamtkontext betrachtet - ein wichtiger Beitrag zu einer ästhetischen(Körper-)Wahrnehmungsschulung.


Die Streicherklasse
Zum schulischen Alltag gehören Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass an Haupt-/Mittelschulen eher nicht, an Realschulen in (noch) seltenen Fällen. Dabei sind die Möglichkeiten dieser Form der Musikklasse weithin unterschätzt oder sie werden unberechtigterweise mit einem verstaubten Image in Verbindung gebracht. Sicherlich muss man sich gut überlegen, ob eine Streicherklasse der beste Einstieg in eine Musikklasse ist, wenn das musikalische Leben der Schule noch im Aufbau befindlich ist. Gehört das Instrumentalspiel ganz selbstverständlich zum Musikunterricht, dann sind auch die Vorbehalte gegen Streicher vielmehr auf Elternseite als auf Schülerseite anzutreffen. Zwei Vorurteile oder Fehleinschätzungen führen vermutlich zu dieser Haltung: Streicher klingen am Anfang grausam „quietschend“ und Streichinstrumente sind nur etwas für Gymnasiasten. Diese Vorbehalte sind schnell aus dem Weg geräumt, wenn man einmal einen Blick hinter die Kulissen wirft. Kinder lernen erstaunlich schnell mit dem Bogen sicher umzugehen und die „akustische Belastung“ ist im Vergleich zu den Anfängen einer Bläserklasse beispielsweise viel angenehmer. Weiterhin ist es keine Frage des Intellekts, ob man die Liebe zu einem Streichinstrument für sich entdecken kann.
Genau hier ist man an der entscheidenden Fragestellung angelangt: Ist der an der Schule tätige Musiklehrer selbst Streicher und kann diese Begeisterung für diese Instrumentengruppe auf die Schüler übertragen und mit ihnen gemeinsam einen Zugang zu dieser Klangwelt finden? Lässt sich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten, ist es eine sicherlich für alle Seiten gewinnbringende Wahlmöglichkeit für einen vertieften Musikunterreicht in Form einer Streicherklasse.
In diesem Bereich haben sich ähnlich der Chorklassen vor allem zwei Unterrichtsmethoden etabliert. Sehr stark vereinfacht ausgedrückt kann man einerseits den hörenden Zugang auf dem Weg der Solmisation und andererseits den  Zugang über die Notenschrift und Hilfsmarkierungen auf dem Griffbrett als Wege beschreiben. Bekannte Methoden sind in diesem Bereich die Rolland- und die Suzuki- Methode. Mittlerweile gibt es zunehmend ansprechende Spielliteratur, die von den jungen Streichern durchaus gut zu bewältigen ist und gerne gespielt wird. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, kann man Schulen nur dazu ermutigen, diesen Weg einzuschlagen. Alle Beteiligten werden die damit einhergehenden positiven Veränderungen und Ergebnisse zu schätzen wissen.


Die Zupforchesterklasse
Wenngleich sie eine Jahrhunderte alte Tradition haben, sind Zupforchester heute eine Besonderheit. Während in der Renaissance noch Laute, Theorbe und Kielinstrumente beteiligt waren, besteht die typische moderne Besetzung aus Mandolinen und Mandolas, Gitarren sowie oft aucVeit-Stoß-Realschule Nürnberg - Fotodesign Brauneh einem oder mehreren Kontrabässen. In Ergänzung zur Originalliteratur aus dem 20. und 21. Jahrhundert  existieren zahlreiche Bearbeitungen klassischer Orchesterwerke für diese Besetzung. Neben ihrer Funktion als Teil eines Ensembles treten Zupfinstrumente auch solistisch in Erscheinung, wobei v.a. die Gitarre als modernes Universalinstrument die verschiedensten  Rollen einnehmen kann.
Ein besonderer Reiz geht von dem hellen Klang und der charakteristischen Tremolo-Spieltechnik der Mandoline aus.
Ein Zupforchester als Musikklasse ist ein Novum, das seinen Mitgliedern sowohl den Bonus des Ungewöhnlichen und gleichzeitig Reizvollen verleiht als auch eine instrumentale Grundausbildung bietet, auf die sich auch in anderen musikalischen Bereichen aufbauen lässt.




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klasse.im.puls - Das Klassenmusikkonzept in Bayern
 
 
Die Bandklasse ist das Beste am Unterricht!

rock.im.puls 2014 - BandklassenFestival


Chorklassen-Konzert 2011
 
gemeinsam üben, konzentrieren, auftreten

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Schülerstimmen

"Das Zusammenspiel mit der ganzen Klasse macht sehr viel Spaß."


"Die Bandklasse macht uns zu etwas Besonderem."


"Auf diese Stunde [Musik] freuen wir uns immer ganz besonders."


"Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht mit dem Spielen."


"Mitlerweile kann ich schon viele Musikstücke instrumental begleiten."